Sie sind hier: 

>> Diagnose/Therapie 

  |  

Sitemap

  |  

Kontakt

  |  

Terminvereinbarung

  |  

So finden Sie uns

  |  

Impressum

  |

Therapie Gelenkerkrankungen: Radiosynoviorthese

Radiosynoviorthese bedeutet Wiederherstellung (= Orthese) der Gelenkschleimhaut (= Synovia) mit Hilfe von radioaktiven Substanzen.

Die Radiosynoviorthese, kurz auch RSO genannt, ist eine sehr wirksame nuklearmedizinische Therapie bei entzündlichen Gelenkerkrankungen wie z.B. bei „Rheuma“ oder so genannten „aktivierten“ Arthrosen. Die Therapie wird seit ca. 20 Jahren mit Erfolg angewandt. Da die Therapie am erfolgreichsten ist, bevor Gelenkzerstörungen eingetreten sind, sollte sie frühzeitig eingesetzt werden.

Voruntersuchungen:

Zur Überprüfung, ob eine RSO für Sie in Frage kommt, sind Voruntersuchungen notwendig. Die Voruntersuchungen dienen auch gleichzeitig der Therapieplanung.

1. Skelettszintigraphie

Diese wird als so genannte Entzündungsszintigraphie (= Zwei-Phasenszintigraphie) durchgeführt. Sie erhalten eine Injektion mit einer radioaktiven Substanz. Unmittelbar im Anschluss an die Injektion erfolgt eine Aufnahme des/der betroffenen Gelenkes/e. Danach können Sie für 3 Stunden die Abteilung verlassen (Sie dürfen auch nach Hause fahren). Bei Ihrer Wiederkehr erfolgt erneut eine Aufnahme der/des betroffenen Gelenke/s. Die Aufnahme dauert max. 30 Minuten. Im Anschluss an die Untersuchung werden die erhobenen Befunde mit Ihnen ausführlich besprochen.

2. Magnetresonanztomographie (MRT)

Eine Magnetresonanztomographie (=Kernspintomographie) des/der betroffenen Gelenkes/e dauert im Durchschnitt ca. 30 Minuten. Nach der Untersuchung werden die Ergebnisse ausführlich mit Ihnen besprochen.

3. Sonographie

Bei Kniegelenkserkrankungen wird vor der Therapie eine Sonographie (=Ultraschalluntersuchung) durchgeführt. Diese ist notwendig, um eine sogenannte Baker-Zyste (popliteale Zyste) zu erfassen. Zusätzlich können durch eine Ultraschalluntersuchung auch Veränderungen der Gelenkschleimhaut erfasst werden.

Nach der Besprechung der Untersuchungsergebnisse entscheidet Ihr behandelnder Arzt zusammen mit Ihnen über die weitere Behandlung, d.h. ob eine Radiosynoviorthese für Sie in Frage kommt oder nicht.

Für wen kommt eine RSO in Frage?

Generell kann die RSO bei allen akut entzündlichen Gelenkerkrankungen angewendet werden. Welches Gelenk dabei betroffen ist, spielt keine Rolle. Im Allgemeinen findet die RSO Anwendung bei rheumatischen Erkrankungen sowie bei so genannten „aktivierten“ (= schmerzhaften) Arthrosen. Des Weiteren bei immer wieder auftretenden Gelenkergüssen (so genanntes Reizknie), z. B. nach Operationen (Arthroskopien, Gelenkersatz).

Welche Substanzen werden bei einer RSO verwendet?

Je nach betroffenem Gelenk werden unterschiedliche Substanzen verwendet. Sie unterscheiden sich in der Reichweite ihrer Strahlung. Das heißt, je kleiner das Gelenk, desto geringer ist die Reichweite und umgekehrt.

Zum Einsatz kommen:

1.) Erbium-169: Reichweite ca. 0,3 mm (z.B. Fingergelenke)
2.) Rhenium-186: Reichweite ca. 1,2 mm (z.B. Schultergelenk)
3.) Yttrium-90: Reichweite ca. 3,6 mm (z.B. Kniegelenk)

Wie wird die RSO durchgeführt?

Das betroffene Gelenk wird unter sterilen Bedingungen punktiert. Die Punktion erfolgt dabei mit Ausnahme des Kniegelenkes unter Durchleuchtungskontrolle (= röntgenologischer Kontrolle). Zur Dokumentation der korrekten Nadellage wird im Anschluss an die Punktion eine geringe Menge eines Kontrastmittels appliziert. Ist die Nadellage korrekt, erfolgt die Injektion der radioaktiven Substanz. Meistens wird zusätzlich noch ein Cortisonpräparat injiziert, da Studien belegen, dass die Wirksamkeit einer RSO durch Cortison noch gesteigert werden kann. Findet sich bei Kniegelenksergüssen eine Zyste in der Kniekehle, wird diese vor der Therapie unter sonographischer Kontrolle abpunktiert. Bei komplexen Gelenkveränderungen wie z.B. einer erheblichen Arthrose der Fußwurzel erfolgt die Therapie z.T. auch computertomographisch gesteuert.

Welche Wirkung entfalten die radioaktiven Substanz

Nach der Injektion kommt es zu einer gleichmäßigen Verteilung der radioaktiven Substanz im Gelenk. Die radioaktive Substanz wird von der Gelenkschleimhaut aufgenommen und führt zu einer lokalen, d.h. am Ort bleibenden Bestrahlung. Die Folge ist, dass die Gelenkschleimhaut über einen längeren Zeitraum vernarbt und sich im Anschluss daran wieder neu bildet. Die Gelenkschwellung geht zurück, die Schmerzen werden zunehmend besser und die Beweglichkeit nimmt wieder zu. Der Zeitraum, in dem sich dies alles abspielt, liegt bei ca. 3 bis 6 Monaten. Das heißt, man muss mindestens 3 Monate abwarten, bis man zum endgültigen Therapie-Effekt etwas aussagen kann.

Was ist nach erfolgter Therapie zu beachten?

Im Anschluss an die Therapie wird das behandelte Gelenk mittels einer Schiene ruhiggestellt. Eine Ausnahme bildet das Schultergelenk. Hier erfolgt keine Ruhigstellung, da ein Schultergelenk, das nicht bewegt wird, innerhalb weniger Tage einsteift. Für die übrigen Gelenke gilt, dass die Schiene 48 Stunden am Gelenk verbleibt. Danach entfernen Sie die Schiene selbst. Wenn Sie nach der Therapie liegen müssen (z.B. nach Therapie eines Kniegelenkes), erhalten Sie so genannte „Bauchspritzen“ zur Thrombose-Vorbeugung. Nach den 48 Stunden müssen die therapierten Gelenke noch für eine Woche geschont werden. Falls dies seitens Ihres Berufes nicht möglich ist, erfolgt eine Krankschreibung über Ihren behandelnden Orthopäden/Hausarzt.

Kann es Nebenwirkungen/Komplikationen geben?

vorübergehende Schwellung oder Überwärmung des GelenkesGelenkinfektion (in unserem Institut noch nie vorgekommen)Gewebeverätzung bei Austritt der radioaktiven Substanz aus dem Gelenk/Stichkanal (in unserem Institut noch nie vorgekommen)Venenthrombose, ggf. Lungenembolie (in unserem Institut noch nie vorgekommen)

Wie ist das mit der Strahlenbelastung?

Aufgrund der nur sehr kurzen Reichweite der verwendeten radioaktiven Substanzen beschränkt sich die Strahlung ausschließlich auf die Gelenkschleimhaut. Eine Schädigung des Gelenkknorpels oder anderer Gelenkbinnenstrukturen ist ausgeschlossen. Da die radioaktive Substanz im Gelenk verbleibt, ist eine Bestrahlung von Organen ausgeschlossen. Auch Sie als behandelter Patient sind keine Gefahr für Ihre Umwelt. Um potentielle Schäden zu vermeiden (statistische Wahrscheinlichkeit), darf eine Gelenktherapie mit radioaktiven Substanzen an jedem Gelenk im Körper nur dreimal im Leben durchgeführt werden.

Welche Vorteile bietet die RSO?

Die RSO ist eine risikoarme, erfolgreiche Gelenktherapie. Mehrere Gelenke können gleichzeitig therapiert werden. Eine Anschlussheilbehandlung (Reha) ist nicht erforderlich. Falls die gewünschte Wirkung nach einer Therapie noch nicht eingetreten ist, kann die Therapie nach ca. 3 bzw. 6 Monaten wiederholt werden. Meist führt jedoch bereits die erste Therapie zu einem guten Erfolg. Eine Woche nach der Therapie unterliegen Sie keinen Beschränkungen bezüglich Ihres täglichen Lebens mehr, d.h. Sie dürfen Sport treiben, in Urlaub fahren, den Garten umgraben, etc..

Alle Fragen vor und während der Therapie bespricht die behandelnde Fachärztin bzw. der Sie behandelnde Facharzt natürlich auch persönlich mit Ihnen.

© 2008 by Radiologisches Institut Koblenz Hohenzollernstraße