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Spezielle Indikationen

1. Entzündungsszintigraphie:

Die Suche nach Entzündungsherden im Körper bzw. die genaue Abklärung von entzündeten Körperarealen stellt ein häufiges Problem in der medizinischen Diagnostik dar.

Hinweise für entzündliche Veränderungen sind z.B. erhöhte Temperaturen, Entzündungszeichen in Blutuntersuchungen, Schmerzen nach Operationen oder fortbestehende Beschwerden nach zahnmedizinischen Eingriffen (z.B. Kieferentzündung). In der Entzündungsszintigraphie werden je nach Fragestellung verschiedene Untersuchungssubstanzen angewandt. Über die Art der speziell durchzuführenden Untersuchungsmethode entscheidet der Facharzt für Nuklearmedizin in unserem Institut nach Rücksprache mit dem überweisenden Kollegen und je nach vorhandenen Vorbefunden. Aufgrund der Komplexität der Fragestellung sind zum Teil viele Spätaufnahmen (manchmal auch nach ein bis zwei Tagen) notwendig.

2. Hirnszintigraphie:

Mit der Hirnszintigraphie werden Stoffwechselvorgänge im Gehirn gemessen. Viele Erkrankungen des Gehirns zeigen Stoffwechselstörungen, bevor Veränderungen in der Computertomographie (= CT) und in der Kernspintomographie (= KST, Magnetresonanztomographie) entdeckt werden können.

Die Methode eignet sich z.B. zur Frühdiagnostik eines Morbus Alzheimer oder eines Schlaganfalls, weiterhin bei Arteriosklerose, bei Migräne und bei Krampfanfällen.

3. Speicheldrüsenszintigraphie:

Mit der Speicheldrüsenszintigraphie werden Funktionsstörungen der Ohrspeicheldrüsen und der Kieferspeicheldrüsen frühzeitig und effektiv erfasst.

Durch den sog. während der Untersuchung durchgeführten "Zitronensäurebelastungstest" wird efffektiv die Speicheldrüsenfunktion untersucht.

4. Liquorszintigraphie:

Bei dieser heute eher selten angewendeten Methode wird über eine Lumbalpunktion an der Lendenwirbelsäule (auch als "Liquorpunktion" bekannt) eine Untersuchungssubstanz injiziert und deren Verteilung im Liquorraum (= Hirnwassersystem) sowohl in der Wirbelsäule als auch im Gehirn gemessen.

Anwendung findet die Methode insbesondere zur Feststellung von krankhaftem Liquoraustritt nach Schädelverletzungen und nach Operationen.

5. Nebennierenszintigraphie:

Die Nebennieren bestehen aus der sog. "Nebennierenrinde" und dem sog. "Nebennierenmark".

In der Nebennierenrinde werden Sexualhormone, Cortisol und Aldosteron (zuständig für den Natrium- und Kaliumhaushalt) produziert. Bei der Szintigraphie der Nebennierenrinde werden spezielle Untersuchungssubstanzen benutzt, die in den Stoffwechsel der Nebennierenrinde eingebaut werden. Nach Injektion werden Aufnahmen nach 3, 5 und 7 Tagen durchgeführt.

Das Nebennierenmark produziert die bekannten Hormone Adrenalin und Noradrenalin. Störungen des Nebennierenmarkstoffwechsels findet man in der Regel bei Tumorerkrankungen (z.B. "Phäochromozytom" oder "Neuroblastom"). Auch hier kann mit einer speziellen Untersuchungssubstanz der Stoffwechsel des Nebennierenmarks gemessen werden (= Szintigraphie des Nebennierenmarks). Da viele Medikamente in den Nebennierenrinden- und Nebennierenmarkstoffwechsel eingreifen, ist vor der Untersuchung eine genaue Medikamentenanamnese und ggf. ein Absetzen von Medikamenten notwendig.

6. Nebenschilddrüsenszintigraphie:

Die Nebenschilddrüsen liegen in unmittelbarer Nachbarschaft der Schilddrüsen.

Funktionsstörungen der Nebenschilddrüsen führen u.a. zu Knochenabbau, Nierensteinen, Übelkeit und Appetitlosigkeit. Diese Funktionsstörungen können z.B. als gutartige Tumoren oder durch Nierenerkrankungen entstehen.

Die Nebenschilddrüsenszintigraphie dient zur Diagnostik von solchen Funktionsstörungen der Nebenschilddrüsen und ist insbesondere auch in der Nachsorge nach operativer Entfernung der Nebenschilddrüsen wegen solcher Erkrankungen wichtig.

7. Leberszintigraphie:

Die Leberszintigraphie dient als zusätzliche diagnostische Methode nach unklaren Befunden im Ultraschall, in der Computertomographie (= CT) und in der Kernspintomographie (= KST, Magnetresonanztomographie). Hierdurch können z.B. unklare Leberherde weiter abgeklärt werden. Weiterhin ermöglicht die Leberszintigraphie z.B. die Beurteilung der Leberdurchblutung (z.B. bei Thrombose von Pfortader oder Leberarterien), die Beurteilung der Leberfunktion (z.B. bei Leberzirrhose) oder die Darstellung von Gallengängen.

8. Lymphszintigraphie:

Lymphabflussstörungen können sowohl primär als auch im Rahmen von vielen Erkrankungen entstehen.

Die Lymphszintigraphie ermöglicht die Beurteilung der Lymphabflussverhältnisse und gibt eine zusätzliche Hilfe zur Feststellung der Ursache für Lymphabflussstörungen (z.B. unklare geschwollene Beine).

9. Speiseröhrenszintigraphie / Magenszintigraphie:

Mit der Speiseröhrenszintigraphie in Kombination mit der Magenszintigraphie kann der regelrechte und zeitgerechte Schluckakt und Transport von Speisen in der Speiseröhre und im Magen genau gemessen werden.

Bestimmte Muskelerkrankungen befallen nicht selten die Muskulatur von Speiseröhre und Magen und beeinflussen so den Schluckablauf und den Speisetransport.

10. Blutungsquellensuche:

Bei Patienten mit unklarem Blutverlust, bei welchen die herkömmlichen diagnostischen Methoden (Magen-Darm-Spiegelung, Ultraschall, Computertomographie (= CT) und Kernspintomographie (= KST, Magnetresonanztomographie)) keine Diagnose erbracht haben, kann die Blutungsquellensuche mit Hilfe szintigraphischer Methoden selbst kleinste Blutungsquellen häufig hilfreich lokalisieren.

11. Rezeptorszintigraphie:

Es gibt eine Reihe von stoffwechselaktiven Tumoren, welche zu verschiedenen Störungen führen können (z.B. Durchfall, Hitzewallungen, Rötungen im Gesicht und am Körper, Magenschmerzen, Magengeschwüre, Unterzucker usw.).

Bei der Rezeptorszintigraphie (z.B. "Somatostatin-Rezeptorszintigraphie") werden Untersuchungssubstanzen verabreicht, die sich an die speziellen Tumoren direkt anheften und so eine Lokalisation und eine Differenzialdiagnostik verschiedener Raumforderungen ermöglichen.

12. Verschiedenes:

Zu den seltenen nuklearmedizinischen Untersuchungen gehört die Überprüfung des Tränenflusses, die Überprüfung der Durchgängigkeit der Eileiter (bei einer ungewollt kinderlosen Frau) sowie die Hodendurchblutungsmessung.

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